Stoffe erkennen

Ich glaube fast jede Näher:in kennt das Problem: Man hat einen Haufen Stoffe im Schrank, doch bei den meisten kann man sich beim besten Willen nicht daran erinnern, aus welchem Material sie sind. Baumwolle? Polyester? Wolle? Keine Ahnung!

Ich möchte euch ein paar Tipps geben, mit denen ihr des Rätsels Lösung etwas näher kommen könnt.

1. Webware oder Maschenware?

Um herauszufinden, welche Stoffart du vor dir hast, kannst du im ersten Schritt eingrenzen, ob es sich um eine Webware oder eine Maschenware handelt.

Webware

Webware

Webware ist, wie ihr Name schon sagt, ein gewebter Stoff. Es gibt also Fasern, die sich überkreuzen. Dadurch ist der Stoff nicht dehnbar.

Viele Baumwollstoffe gibt es als Webware, z.B. Batist, Canvas, Köper oder Nesselstoff.

Maschenware

Maschenware

Maschenware wird mit einer Strickmaschine hergestellt. Man erkennt sie daran, dass sie durch die Herstellungsart dehnbar ist.

Zu den dehnbaren Stoffarten gehören z.B. Jersey Stoffe, Bündchen, Sweatstoffe uvm.

2. Material erkennen mit dem Brenntest

Am leichtesten kannst du die Faserart anhand des Brenntests erkennen. Schneide dazu ein kleines Stück aus deinem Stoff heraus und stelle eine feuerfeste Schale mit etwas Wasser bereit. Nimm nun den Stoff mit einer Zange und entzünde ihn vorsichtig. Anhand der Flamme, dem Brennverhalten und der Asche wirst du erkennen können, um was für eine Faser es sich dabei handelt. Achtung: bitte zünde niemals ein großes Stück Stoff an, sondern nimm immer nur eine kleine Probe! Gerade synthetische Fasern brennen sehr schnell ab, also sei bitte vorsichtig.

Ergebnis 1: Ruhige Flamme, kein Rauch, Stoff zerfällt wie Papier, holziger Geruch

Es handelt sich hierbei um eines pflanzliche Faser, wie z.B. Baumwolle, Leinen. Aber auch Viskose kann sich so verhalten.

Typisch ist, dass der Stoff nur langsam Feuer fängt und dabei allmählich abbrennt. Der Geruch ist eher holzig und die Asche zerfällt.

Ergebnis 2: Faser brennt sehr schnell, schwarzer Rauch, Flamme wird sehr hell, Rückstand ist hart wie geschmolzenes Plastik

Bei diesem Brennverhalten handelt es sich um eine synthetische Faser, wie z.B. Polyester, Polyamid, Cupro oder Elasthan.

Der Stoff brennt sehr schnell ab, daher solltest du ihn auch nicht in der Hand halten, wenn du den Brenntest machst. Charakteristisch ist auch der Geruch nach verbranntem Plastik. Bei der Asche handelt es sich eher um geschmolzene Klümpchen.

Ergebnis 3: Faser ist schwer entflammbar, brennt brodelnd mit hellem Rauch, Geruch nach verbrannten Haaren, krümelige und harte Asche

Bei dem letzten Brennergebnis handelt es sich um eine tierische Faser, wie z.B. Wolle oder Seide. Besonders gut erkennt man dies an dem Geruch nach verbrannten Haaren.

Bedenke beim Brenntest immer, dass es auch viele Mischgewebe gibt und daher der Brenntest auch eine Mischung aus aufgeführten Ergebnissen hervorbringen kann.

3. Stoffart erkennen mit dem Wassertest

Nun weißt du immerhin schon, ob es sich um Web- oder oder Maschenware handelt und welche Art Faser du vor dir hast. Mit dem Wassertest kannst du die Stoffart zumindest noch ein klein wenig eingrenzen. Lasse dafür etwas Wasser auf deinen Stoff tropfen und beobachte das Verhalten deines Stoffs. Tauche den Stoff dann einmal in Wasser und wringe ihn grob aus.

Wassertest mit pflanzlichen Fasern

  • Baumwolle nimmt das Wasser eher gleichmäßig auf und hat nach dem Zusammenknüllen Falten. Sie bleibt geruchslos und lässt sich nass genauso gut zerreichen, wie im trockenen Zustand.
  • Leinen wird nur langsam nass, nimmt aber insgesamt mehr Wasser auf als Baumwolle. Es entstehen starke Knitterfalten und das Material ist schwer zerreißbar.

Wassertest mit synthetischen Fasern

  • Viskose wird hart und raschelt, wenn sie nass wird. Sie nimmt die Feuchtigkeit eher unwillig auf und wird sehr leicht zerreißbar im nassen Zustand.
  • Weitere Stoffarten sind bei synthetischen Fasern schwer erkennbar mit dem Wassertest, da sie ihr Aussehen im nassen Zustand kaum verändern.

Wassertest mit tierischen Fasern

  • Seide hat eine ungleichmäßige Struktur und die Wassertropfen hinterlassen nach dem Trocknen Flecken auf dem Stoff.
  • Wolle nimmt das Wasser eher unwillig auf, kann jedoch viel Feuchtigkeit speichern, ohne sich feucht anzufühlen.

Ich hoffe diese Tipps haben dir bei der Definition der Stoffart geholfen. Brauchst du noch eine Übersicht aller Stoffarten? Dann schau doch mal in das Stofflexikon von stoffe.de!

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